
Fasnet 2008
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Den Schlüssel zur Gemeinde kurzerhand verzehrt
Närrischer Sturm auf das Rathaus von Kindern, Liebenau-Hexen und Neckar-Bätschern – Widerstand war zwecklos
NECKARTAILFINGEN – Seit gestern um 9.59 Uhr ist auch die Neckartailfinger Rathausspitze abgesetzt: Bürgermeister Jens Timm musste sich dem Ansturm der rund 100 närrischen Kindergartenkinder aus der Gemeinde geschlagen geben, die gemeinsam mit den Liebenau-Hexen und einer Abordnung der Neckar-Bätscher das Rathaus im Sturm nahmen.
RALPH GRAVENSTEIN
Die Revolution der Narren verlief vergleichsweise unblutig im Neckartailfinger Rathaus: Das mag wohl auch daran gelegen haben, dass sich die Angestellten einer fröhlich quietschenden Übermacht aus Kindern von Schulberg-, Liebenau- und Mörikestraße-Kindergarten gegenüber sahen, denen Widerstand zu leisten zwecklos erschien. Schon knapp eine halbe Stunde strömten sie unter Führung der Erzieherinnen herbei, um sich auf dem Rathausplatz in Stimmung zu bringen. So übten die Liebenau-Hexen mit Ihnen den Zunft-eigenen Schlachtruf ein, „um die da drinnen zu erschrecken“. Angefeuert wurde die fastnächtliche Stimmung dann nicht nur durch den kurzzeitig strahlenden Sonnenschein und das Absingen von spaßigen Kinderliedern, sondern auch von der zehnköpfige Abordnung der Neckar-Bätscher, die sich mit Guggenklängen als Einheizer vor der Rathauspforte betätigten.
Nach diesen ersten Trockenübungen hatten die Initiatoren des Rathaussturms leichtes Spiel, als man zum Sturm ansetzte: Hexenvorstand Volker Lutz hatte zuvor schon detaillierte Instruktionen ausgegeben, so dass die Kinder wie vom Hexenmeister angeordnet Amtszimmer um Amtszimmer aufsuchten und die darin arbeitenden Angestellten mit sanftem bis närrischem Zug an der Oberbekleidung von der Arbeit wegholten. Schnell waren auf diese Weise sämtliche Rathausmitarbeiter eingesammelt, auch Kämmerer Weiß, der von den Liebenau-Hexen vorsichtshalber doch etwas genauer eskortiert wurde – man weiß ja nie, was er mit der Gemeindekasse vorhat.
Lediglich ein wenig Hilfe beim Identifizieren von Bürgermeister Jens Timm musste von den Hexen geleistet werden: Denn der hatte sich unter einer Gummimaske verborgen und kam so den kleinen Piraten, Cowboys, Gespenstern und Feen nicht gleich bekannt vor. Doch dann wurde der Schultes doch verhaftet, seine Krawatte wurde mit der Schere um etliche Zentimeter gekürzt, und er wurde von zwei Hexen zunächst handlich verschnürt, bevor er unter den Guggenklängen der Neckar-Bätscher und unter großem Hallo der kleinen Narren aus seinem Dienstzimmer in den Ratssaal im Dachgeschoss abgeführt wurde.
Dort ergab sich Timm dann doch recht schnell in sein Schicksal: Er überreichte ohne weiteren Widerstand den aus Backwerk bestehenden Schlüssel zur Gemeinde, der von der Bäckerei Mayer gestiftet worden war. „Den will ich aber am Aschermittwoch wieder haben“, meinte Timm noch, doch so schnell, wie die kleinen Narren den gebackenen Schlüssel einkassiert und verzehrt hatten, konnte der Schultes gar nicht protestieren. Und da die Kindergartenkinder deutlich größeren Appetit bewiesen als es an Schlüsselbackwerk zu verteilen gab, stürzte sich Timm mit Tabletts voller Süßigkeiten ins närrische Gewusel im Ratssaal und verteilte weitere Leckereien an die Kleinen.
Versöhnlich zeigte er sich auch bei Liebenau-Hexen und Neckar-Bätschern trotz seiner Entmachtung: Für die großen Narren spendierte die Rathaus-Mannschaft Sekt und Leberkäswecken, so dass die närrische Revolution nach einer knappen Stunde in eine fröhliche kleine Feier im Ratssaal mündete. Die Liebenau-Hexen besannen sich dann aber doch noch ihrer närrischen Pflichten und wandten sich nach vollbrachter Machtübernahme der Erstürmung der Metzgerei Geiselhart zu. Die Kindergartenkinder beließen die Rathausmitarbeiter dann doch zunächst kommissarisch im Amt und zogen zufrieden und mit reichlich Süßigkeiten im Bauch ebenfalls wieder ab.

Das Neckartailfinger Rathaus wird gestürmt ...... (Bild: R. Gravenstein)

mit dabei auch die Neckar-Bätscher (Bild: R. Gravenstein)

Den Liebenau-Häxa entkommt keiner.....


Bürgermeister Timms Bitte, den Schlüssel zur Gemeinde am Aschermittwoch unversehrt wiederzubekommen war vergeblich: Die kleinen Narren aus Neckartailfingen verleibten sich das närrische Machtsymbol aus Backwerk unverzüglich ein.

Zur Macht im Rathaus Neckartailfingens gab es aus den Händen von Bürgermeister Jens Timm nicht nur den Schlüssel der Gemeinde, sondern auch Naschereien für die kleinen Narren aus den örtlichen Kindergärten.
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